Liebe Interessierte am Nach-Denk-Brief!​​​​​
Liebe Freundinnen und Freunde!

Gleich und gleich gesellt sich gern – Gegensätze ziehen einander an!

Es ist alles eine Frage des Blickwinkels!
Sind das nun Gegensätze? Aus der Perspektive eines Menschen sind die beiden doch sehr gleich, Straßenköter eben, ähnlich groß, mit spitzen Ohren und sie schauen auch noch in dieselbe Richtung. Aus der Perspektive eines Hundes sind sie Männchen und Weibchen, einer steht und eine liegt, dunkel und hell und wohl noch vieles mehr. Die Frage ist, wie in so vielem, was ist mein Vergleichspunkt.

Lasst uns Gutes tun an jedermann, allermeist aber an des Glaubens Genossen (Gal 6,10).

Das ist nicht unfair sondern ganz normal, wenn man mit denen packelt, die auch sonst dazupassen, wenn man jene bevorzugt, die zum Clan gehören, wenn man mit jenen zusammenspielt, die zur eigenen Mannschaft gehören..
Auch unsere Bibel weiß darum, dass es welche gibt, die „gleicher“ sind. Im Grunde spricht ein Großteil unserer Bibel von denen, die zum gleichen Volk gehören, die zur Gemeinschaft der Heiligen gehören, die Teil der Familie sind, ja, die einfach dazugehören. Schwarmintelligenz und Rudelverhalten beruhen auf diesem Prinzip. Und jedes Familien- und Gemeindeleben wird aus diesem Bedürfnis gespeist.

Doch gibt es auch überall die Nestbeschmutzer, jene, die den Teamgeist bewusst angreifen, auch Whistleblower stören, indem sie aufdecken und andere verpfeifen, das Gefüge der Einheitlichkeit durcheinanderbringen. Was heute mit großem Aplomb daherkommt, war schon immer als Vernaderer in unseren Schulklassen schlechtgeduldet. Manchmal werden sie bewundert, in besonderen Konstellationen sind sie sogar der Motor der gesamten Crew und helfen, die Maßstäbe wieder zurechtzurücken. Dass sie letztlich nicht zu denen zählen, denen eine gute „Nachred“ bleibt, wissen wir z.B. von Judas Ischariot.

Dick und Doof, schwarz und weiß, Alt und Jung, Licht und Schatten, links und rechts, Tag und Nacht …, die Liste der Gegensatzpaare ist lang. Wir kennen alle den Magneten, der dieses Prinzip in der Natur vorgibt. Doch wir können auch wieder einmal Genesis 1 zitieren: Gott hat die Gegensätze in uns hineingelegt: Mann und Frau – größer könnten die Gegensätze nicht sein, so meinen viele.

Im heutigen Zusammendenken von westlicher und östlicher Tradition stehen Yin und Yang für diese Gegensätze aber eben auch für die Harmonie des Diversen, für die Polarität, die einander ergänzt.
Im Laufe der Zeit wurde immer stärker betont: Yang steht für hell, hoch, hart, heiß, männlich, aktiv, bewegt, während Yin dunkel, weich, feucht, kalt, weiblich, passiv, ruhig verkörpert. Ursprünglich geht es um ein Symbol der Wandlung, das anzeigt, dass alles im Fluss ist, dass das Gegensätzliche nötig ist, um die Welt im Fluss zu halten. In der keltischen Kunst findet man das Ornament des Yin und Yang übrigens auch – und manchmal wurde es angeblich auch mit apotropäischer Wirkung belegt. Ab dem 4. Jh. v. Chr. ist es bei den Etruskern ein bekanntes Symbol. Immer aber zeigt es das Miteinander und Ineinander gegensätzlicher Kräfte, die sich gegenseitig anziehen, und die das Dasein in Bewegung halten.

Nur eins verabscheut unsere Bibel: Dass wir lau sind:

Offb 3 Und dem Engel der Gemeinde in Laodizea schreibe: …Ich kenne deine Werke, dass du weder kalt noch warm bist. Ach dass du kalt oder warm wärest! Weil du aber lau bist und weder warm noch kalt, werde ich dich ausspeien aus meinem Munde. … Ich rate dir, dass du Gold von mir kaufst, das im Feuer geläutert ist, damit du reich werdest.

Ob gleich oder unterschiedlich – bei Gott sind wir alle gleich geliebt – und sicher nicht nur lau!

Eure

Ingrid Vogel